Category Archives: feminismus

riot grrrl heute

nachdem ich letzte woche beim schreiben meiner musikalischen biografie feststellte, dass meine feministische politisierung vor allem mit der riot-grrrl-bewegung zusammenhängt, habe ich mal recherchiert, was aktuell unter riot grrrl verstanden wird, wer sich dazugehörig fühlt, welche themen heutzutage diskutiert werden, etc. also hab ich mal eben bei amazon (pfui, ich weiß) riot grrrl als stichwort eingegeben und hier sind die ersten drei titel:

sara marcus: girls to the front: the true story of the riot grrrl revolution.

nadine monem: grrrl: revolution girl style now!

katja peglow, jonas engelmann (Hg._innen): rot grrrl revisited!: geschichte und gegenwart einer feministischen bewegung.

hab ich mir also das letztgenannte buch besorgt und der “now”-teil beinhaltet:

  • warum blieb es in deutschland still um die riot grrrl-bewegung?
  • was war los in den 2000er jahren?
  • pussy riot als die neuen riot grrrls
  • slutwalks als zukunft des feminismus?
  • girls rock camps
  • shut up and speak (feministische spoken word-veranstaltungsreihe in berlin)

riot grrrl als das, mit dem es in den 1990ern anfing, gibt es nicht mehr, sage ich heute abend nach einigen internetrecherchen und buchseiten. weil feministische auseinandersetzungen stattgefunden haben und sich feministischer aktivismus erweitert und bewegt hat. weil riot grrrls nicht nur grrrls sind, sondern auch trans*, femmes, inter*,… sein können. weil riot grrrls nicht nur punk und hardcore spielen sondern auch popmusik machen und liedermacher_innen sind (vgl. die compilations von riot grrrl berlin). weil die vielfalt der riot feminist_innen es vielleicht auch schlicht nicht möglich macht, alles unter einen begriff zu fassen. oder weil, wenn all das riot grrrl wäre, riot grrrl beliebig wäre. und wenn riot grrrls nur die sind, die feministische riots veranstalten und damit alles aufs spiel setzen wie die pussy riots, würde ich auch dann sagen, dass riot grrrl als bewegung nicht mehr existiert. oder kenne ich einfach nur keine weiteren riot grrls?

katja peglow schreibt im artikel “quiet riot. oder: warum riot grrrl in deutschland still blieb” am ende:

“als reaktion auf den unsäglich vereinnahmenden medienhype haben sich die riot grrrls übrigens inzwischen fast gänzlich vom girl-begriff verabschiedet und sich in ladies umbenannt. schließlich sei man seit der gründungsphase ja auch älter geworden. liegt darin etwa das ganze geheimnis? mussten die mädchen hierzulande einfach nur erwachsen werden, um endlich gehör zu finden? hoffentlich der beginn und nicht das ende vom lied.” (katja peglow in riot grrrl revisited! geschichte und gegenwart einer feministischen bewegung, s. 170 – 2. auflage 2013)

klar ist, dass es in der riot-grrrl-bewegung nicht nur um musik, sondern auch um politischen aktivismus und do-it-yourself ging. ein beispiel dafür sind die weltweit immernoch existierenden ladyfeste und auch die girls rock camps. (über shut up and speak habe ich leider nichts aktuelles gefunden.)

die slutwalks mussten und müssen sich mit vielen kritikpunkten auseinandersetzen. als fazit dieser diskussion bleibt MIR, dass slutwalks bis jetzt hoffentlich nicht der neue/zukünftige feminismus sind.

sind also die ladyfeste und girls rock camps als letzte überbleibsel zu bezeichnen oder im sinne der weiterentwicklung zu betrachten? was ist denn heutzutage feministischer riot (krawall)? und wie kann das intersektional funktionieren?

ich freue mich auf eure meinungen und eurer feedback!

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